Publik Viewing - Chamer Frühlingsfest 2012
Impressionen - Fotos + Text Benjamin Franz
     
Um 23:31 ist der Traum vom Titel geplatzt  

Wieder treibt es viele Zeltbesucher auf die Bierbänke. Nicht weil eine Showband die Stimmung im Zelt zum Kochen bringt. Im Festzelt ist man aus dem Häuschen, weil das Champions League-Finale FC Bayern gegen den FC Chel- sea in einen Elfmeterkrimi münden wird. Selbst die elf Musikanten auf der Bühne haben die Instrumente beiseite gelegt und verfolgen gebannt die Live-Übertragung auf den großen Videoleinwänden. Im fast vollbesetzten Zelt ist es erstaunlich still als Lahm um 23:23 Uhr zum ersten Elfer antritt. Nervenschwache Fans halten sich die Augen zu. Bedienungen mit frisch gezapften Bier stoppen auf dem Weg zum Empfänger und beobachten das Geschehen in der Münchner Allianz Arena. Philipp Lahm trifft und sofort, als säße man direkt im Stadion, bricht donnernder Jubel los, werden geballte Fäuste zum blau-gelben Zelthimmel hochgereckt.

Nach dem der deutsche Fußballrekordmeister von Beginn an das Finalspiel dominierte, hätte es sicher niemand für möglich gehalten, dass die Partie sich zu einer Nerven- probe entwickeln würde. Mit jeder vermasselten Chance kam der FC Chelsea besser ins Spiel, bis schließlich aber dann doch Thomas Müller mit einem Kopfballtreffer die Bayern in der 83. Minute der regulären Spielzeit in Führung brachte. Da waren die Chamer Fans im Zelt wieder glück- seelig und stimmten Fangesänge an. Doch die Freude über das vermeintliche Happy - End währte nicht lange. Fünf Minuten vor dem ersehnten Schlusspfiff gelingt Chelsea der Ausgleich. Die beiden Teams und die Fans im Chamer Bierzelt müssten also in die Verlängerung. Aber auch in den weiteren 30 Minuten konnte weder Bayern noch Chel- sea die Entscheidung herbeiführen. Arjen Robben vergibt sogar einen Foulelfmeter. Die Nerven lagen offensichtlich blank, bei den Spielern, aber auch bei den Fans. Ein Ran- dalierer im Zelt wird vom Sicherheitsdienst hinaus begleitet, um sich wieder abzukühlen, dann durfte er weiterschauen. Für den Fall, dass sich die Übertragung in die Länge zieht, hatte Sepp Altmann schon mit einer verlängerten Sieges- feier geplant. „Das nehme ich dann auf meine Kappe, wenn wir die Sperrstunde etwas hinausschieben müssen.“ , ver- sprach der Bayernfan und Präsident des Volksfestvereins noch vor dem Anstoß. Fast drei dramatische Stunden spä- ter, lag dann vor dem ersehnten Triumph nur noch die Elf- meterschlacht. Mit Philipp Lahm gingen die Bayern 1:0 in Führung. Als dann Manuel Neuer auch noch den ersten

 
 

Gegen-Elfer parieren konnte, war das für viele Fans im Festzelt, die bis dahin ein Wechselbad der Gefühle ertra- gen mussten die erlösende Vorentscheidung. Aber es kam anders. Erst scheiterte Ivica Olic an Chelsea´s Torhüter und dann vermasselt Sebastian Schweinsteiger die Titelhoffnun- gen der Münchner und sorgt für blankes Entsetzen bei den Fans im Chamer Bierzelt. Der Finalkrimi hatte eine uner- wartete Wendung genommen. Statt Jubelgesänge und Freudentaumel leerte sich das Zelt schlagartig. Trotz der sportlichen Enttäuschung können die Verantwortlichen für das „Publik Viewing“ mit der großen Resonanz zufrieden sein. Künftig sorgen aber wieder Musikanten für Stimmung.
Sepp Altmann hofft auf eine Siegesfeier im Festzelt
83. min Müller köpft zum 1:0
     
Foul an Ribery zerrt an den Nerven der Fans
Neuer hält den ersten Elfer – war das bereits die Entscheidung?
Aus der Traum - „Schweini“ hat´s vermasselt